Hi guys,
was mir auffällt bei den i-docs Einträgen ist die Fixierung auf konkrete Lösungsvorschläge.
Nachvollziehbar, dass wir möglichst wissen wollen, was in der Prüfung zu Modul nnn gefragt wird und was die korrekte Antwort auf die Fragen ist.
Mir scheint noch hilfreich, zu verstehen, was denn so im Kontext abgeht, d.h. um was kann es gehen und wie kann ich selber eine Lösung zusammenbauen.
Nach gut 10 Modulprüfungen kann ich ein Muster erkennen.
Erst wird eine Situation dargestellt.
Sie beschreibt oft wortreich eine Situation, die zur Einstimmung dienen soll, aber auch ganz schön ablenken kann von der Sache.
Dann wirst du in einer Rolle gedrückt, z.B. die des IT Leiters, oder des externen Beraters.
Mit den Kompetenzen, den Fähigkeiten, die dieser Rolle nachgesagt werden, wirst du aufgefordert, die Problemsituation zu klären, das Licht am Ende des Tunnels anzuzünden.
Da wird erst mal die Identifikation der Missstände (Schwachstellen, eingegangene Risiken, u. drgl.) verlangt.
Dann sind Massnahmen zur Beseitigung der Missstände verlangt, dann die Begründung der vorgeschlagenen Massnahmen. Mal sind mehr Stichworte hier, mal da, mal mehr vollständige Sätze hier, mal da verlangt.
Meine Erfahrung ist, dass die Theorie allein gar nix bringt. Ich habe viele Abende damit verbracht, die Compendios zusammenzufassen, die tollen Ausdrücke zu lernen (Earned Value Method, KPI, best practice, etc.) Die unterliegt der konkreten Umsetzung, ist aber nicht primär verlangt. Die Prüfung ist immer die Anwendung der Theorie. Oft ist mir mein täglicher Umgang mit der gelebten IT zu Hilfe gekommen.
Beispiel gefällig?
An der mündlichen Prüfung wäre eigentlich der Stoff des Moduls 209 verlangt gewesen, mit all seinen Vorschlägen zu den Softskills eines Teamleiters. Es ging um eine Fusion und was man als erstes machen muss, damit das Vorhaben gelingt. Tatsächlich aber bin ich mit meiner Version, die strikt Business-orientiert war, genauso gut gefahren, wie wenn ich von „Mitarbeiter möglichst früh in den Prozess miteinbeziehen“ oder „Ängste abbauen“ gesprochen hätte.
Das hat mein Mitstreiter getan. Alle Schlagworte geliefert und nicht gemerkt, dass er gebetsmühlenartig die seiner Meinung nach relevanten Compendio Abschnitte runterleiert. (Für die, die es interessiert: er hat nicht bestanden, weil er plakativ war und keine Flexibilität beweisen konnte.)
At the end of the day ist doch eine gangbare Lösung zu einem mehr oder minder realen Problem verlangt. Das kann man immer auf verschiedene Arten lösen. Eine ist eleganter, weil sie dem Compendio folgt, die andere ist genauso gut, obwohl sie, wie in meinem Fall, eine härtere Gangart verfolgt.
Stellt Euch den Korrektor (den Experten ) vor, wie er am Sonntag Nachmittag die Prüfungsbeigen vor sich hat. Für jede Korrektur gibt’s ein bisschen Geld. In der Privatwirtschaft ist die Stunde besser bezahlt als bei der halbstaatlichen i-ch. Entweder ich mache Geld und hau die Korrekturen durch nach Schema F oder ich entdecke gelungene Lösungsvorschläge. Die machen Spass. Da kommt frisches Blut, ein neuer Ansatz, wie ein altes Problem (es gibt ja nicht allzu viele verschiedene Varianten jeder Modulprüfung) gelöst wird. That’s your chance!
Bei einer Einsichtnahme stehen doch tatsächlich auf der Lösungsmatrix 5 Ausdrücke, die für die Lösung zugelassen sind, alles andere wurde nicht als mögliche Lösung akzeptiert!
Hast du den Anspruch, etwas von dir zu geben? Getrau dich, eine gute Lösung für ein Problem zu präsentieren, ohne dem Compendio zu folgen.
Klugscheisser? Vielleicht, aber es hat mindestens einmal funktioniert, den Bauch mitreden zu lassen.
Good luck!